25 Tage, 4500 Kilometer

Kapitel I

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Reise.

 

Dieser Satz ist mir heute den ganzen Tag durch den Kopf geschwirrt und ich kann ganz ehrlich nicht sagen, ob ich ihn mir selbst ausgedacht oder irgendwo aufgeschnappt habe.

Aber ob meine Vorbereitungen gut genug waren, daran zweifle ich vielleicht doch etwas, denn heute begann sie. Die Reise, von der ich schon seit 2 Jahren träume. Und ich kann getrost behaupten, dass diese Reise wohl die größte Erfahrung meines Lebens werden wird. 4.500 Kilometer mit dem Wohnmobil meiner Eltern von Leipzig, durch Dänemark und Schweden, nach Norwegen und wieder zurück.

Das Ganze klingt schon nach einer Nummer für sich, wenn ich mir nicht noch vorgenommen hätte aus der gesamten Reise einen Film zu erstellen, nebenbei einen Blog zu schreiben und auf Instagram meine Story aktuell zu halten. Das Gesamtpaket also.

Heute ging die Reise in die erste Etappe. Startpunkt war Leipzig und das Etappenziel Kiel. Mein Tag begann um 9 Uhr. Ich packte noch die letzten Sachen zusammen und schaffte sie ins Wohnmobil. Es erstaunt mich immer wieder, was einem alles für Dinge einfallen, die man braucht, wenn es darum geht, sich für eine Reise vorzubereiten. Ich habe gefühlt den kompletten Hausrat mitgenommen. Allerdings werde ich auch fast für einen Monat unterwegs sein.

13 Uhr war es dann immerhin schon, als ich endlich losfuhr. 500 Kilometer. Ich schätzte mit fünf ein halb Stunden Fahrt… Ich habe mich noch nie so verschätzt. Dank unzähliger Baustellen und ständigem stop and go verbrachte ich letztendlich acht Stunden auf der Straße. Ich habe mich jetzt schon in den Tempomat verliebt. Das Reisen in einem Wohnmobil ist jedoch ziemlich angenehm, weshalb sich die lange Fahrt eher wie ein Ausflug mit dem eigenen Wohnzimmer angefühlt hat. Die richtigen Spotify Playlists und der selbstgemachte Eistee hielten mich die Fahrt über auch sehr gut bei Laune.

Pünktlich zum Sonnenuntergang kam ich dann auch in Kiel an. Und der Wohnmobilstellplatz kann sich sogar echt sehen lassen. Direkt am Hafen mit wundervollem Blick auf den Kanal. Gelegentlich fahren riesige Containerschiffe, deren Größe zu bestaunen ist, vorbei und das Kreischen der Möwen lässt das richtige Feeling aufkommen. Nach der Anmeldung in der Rezeption beeilte ich mich, um noch die letzten Sonnenstrahlen zu nutzen und ein paar wenige Bilder am Wasser zu schießen. Die Sonne verschwand allerdings sehr schnell. Auch für meinen Film habe ich noch einige Einstellungen schießen können. Dies gestaltet sich allerdings gar nicht so einfach, da ich als Ein-Mann-Team arbeite. So kann sich ein einfacher Ablauf, wie zum Beispiel das Abendessen zu kochen, zu einer unglaublich langen Aufgabe entwickeln. Für jede Einstellung muss ich die Kamera einrichten, Aufnahme drücken, ins Bild gehen, die Aktion ausführen, die Aktion stoppen, die Aufnahme stoppen und die Kamera für eine andere Perspektive neu einrichten. Bis dies alles durchgespielt ist, ist man im schlimmsten Fall schon verhungert. Und was Außenstehende denken, wenn sie dies beobachten… darüber sollte man sich lieber keine Gedanken machen.

Jetzt bin ich allerdings gesättigt, habe meine Bilder und Videos des Tages gesichert und hiermit auch meinen ersten Blogeintrag erfolgreich fertiggestellt. Damit endet mein langer Tag heute auch und ich werde euch morgen von dem zweiten Etappenziel, Grenaa, berichten.

Kapitel II

Schlaflos

Tobi Fähre

Wo fang ich am besten an? Die letzten zwei Tage hatten es definitiv in sich. Und damit meine ich leider nicht, dass sie voller Spannung, tollen Erlebnissen und wundervollen Landschaften waren, sondern dass es stressig, laut, und nervenaufreibend war. Aber vielleicht spricht da auch nur gerade die Müdigkeit aus mir. Fange ich mal von vorne an.

Gestern Mittag kam ich in Grenaa an. Die Fahrt war Gott sei Dank nicht ganz so lang, wie die erste Etappe nach Kiel, allerdings auch nicht viel entspannter. Grund dafür waren die Europastraßen in Dänemark. Der Verkehr war keinesfalls das Problem. Viel mehr war es die Fahrbahnbegrenzung in der Mitte der Straße, welche jedes Mal, wenn ich diese auch nur ein klein wenig gestreift habe, mein Wohnmobil in ein Rüttelbrett verwandelt hat. Doch nun genug gemeckert.

Grenaa ist eine kleine Hafenstadt, welche durchaus ihren Charme hat. Leider konnte ich nicht besonders viel von ihr sehen, aber der Hafen bot schon eine beeindruckende Szenerie. Besonders die Luftaufnahmen meiner Drohne waren sehr gelungen. Ich stellte mein Wohnmobil auf dem Parkplatz des Fährbetriebes ab und besorgte in einem nahegelegenen Supermarkt noch die letzten fehlenden Dinge. Ich kann durchaus jedem, der ein anderes Land bereist empfehlen, sich die Einkaufsläden des jeweiligen Landes anzuschauen. Eventuell lässt sich dort die ein oder andere unerwartete Spezialität finden.

Nachdem ich noch die Schiffe im Hafen gefilmt hatte, machte ich mich auf zum Check In für die Fähre. 23.50 Uhr sollte sie starten und die Fahrt insgesamt 5 Stunden dauern. Ich würde sagen, es war eventuell der nächste Fehler von mir, eine Fähre um diese Uhrzeit zu buchen. In meinem Leben bin ich soweit ich mich erinnere bisher nur ein einziges Mal mit einer großen Fähre mitsamt Auto mitgefahren. Allerdings war ich dort noch klein und ich kann mich kaum daran erinnern. Von der Fähre war ich jedoch ausnahmslos begeistert. Sie war sogar so groß, dass ich mich Anfangs verlief. Im Innenraum ließ sich alles finden, was für eine lange Überfahrt zu gebrauchen ist. Ein kleiner Kiosk versorgte mit Essen und Getränken, es gab sogar ein kleines Outlet und was mich am Meisten überraschte… ein Kino! Ich überlegte hin und her, ob ich mir einen Film anschauen sollte, aber als ich mich letztendlich dazu entschied, kam mir schon eine Familie zuvor und suchte sich einen Kinderfilm aus. Also nutzte ich stattdessen meine Zeit und filmte den Innenraum und auf dem Oberdeck der Fähre. Ich schaffte es sogar in der Zeit noch den ersten Teil vom Hobbit in der Extended Version zu schauen. Allerdings fand das mein Laptop nicht so toll und entschied sich dazu in den letzten 5 Minuten des Filmes schlapp zu machen.

4.50 Uhr war es, als die Fähre endlich in Varberg in Schweden anlegte. Total übermüdet war mein einziger Gedanke nur noch schnell einen Stellplatz zu finden, um meinen verdienten Schlaf zu bekommen. Doch das gestaltete sich gar nicht so einfach… Sämtliche Stellplätze waren belegt, sodass mir nichts Anderes übrigblieb, als mich wieder auf einen Parkplatz der Fährgesellschaft zu stellen. Doch als ich mich endlich in mein Bett legen konnte, bekam ich kein Auge zu. Die lauten Möwen und das Tageslicht ermöglichten es mir nicht, zu schlafen. Ich schlummerte also vor mich hin und ehe ich mich versehen konnte klopfte es an meiner Tür. Ein Mitarbeiter der Fährgesellschaft wies mich darauf hin, dass das Boarding für die Reise nach Grenaa begonnen hat. Um keinem anderen im Weg zu stehen, setzte ich mich also erneut ans Steuer auf der Suche nach einem Ersatzparkplatz. Entlang der Landstraße im Industriegebiet stellte ich mich auf einen Streifen abseits der Straße und dies sollte nun endlich mein Schlafplatz sein. Richtig schlafen konnte ich allerdings immer noch nicht. Nach ein paar Stunden schlummern und leichtem Schlaf ging es dann für mich nach Göteborg.

Die schwedische Landschaft mach definitiv schon mehr her, als die Dänemarks. Allerdings ist der Stadtverkehr hier der Horror. Wie oft habe ich mich verfahren oder musste das Navi sich neu berechnen, bis ich endlich an meinen Zielen ankam. Heute fand ich einen äußerst sehenswerten Campingplatz. Er befindet sich direkt am Wasser, mit Blick auf dem Kattegat. Neben unzähligen Wohnmobilen befinden sich auch noch einige typisch schwedische roten Ferienhütten. Den Rest des Tages nutzte ich, um einen Blick in die Altstadt Göteborgs zu werfen, dort zu filmen und auf dem Campingplatz meine Drohne steigen zu lassen. Die Altstadt ist sehr schön und ich werde versuchen den morgigen Vormittag zu nutzen, um noch einen zweiten Blick in die Innenstadt zu erlangen. Zuallererst hoffe ich nun jedoch, dass ich den Schlaf, welcher mir so fehlt, in Ruhe nachholen kann.

Ziel des morgigen Tages wird es sein, nach Oslo oder zumindest nah an Oslo heranzukommen. Der heutige Blog fiel etwas länger aus, da ich auf zwei sehr ereignisreiche Tage zurückblicke. Ich hoffe, euch gefallen meine Erlebnisberichte. Morgen erzähle ich euch von meiner Reise nach Oslo.

Kapitel III

Oh, noch ein Motiv

Tobi Goteborg 21zu9

Ich glaube jeder Fotograf hat in seiner Laufbahn mindestens einmal die Situation durchgemacht, dass man absolut nicht weiß, was man fotografieren soll. Dass man einfach keine Motive findet. Bei mir war es gestern eher umgekehrt.

12 Uhr verließ ich den Campingplatz in Göteborg. Ursprünglich mit dem Gedanken, noch einmal in die Stadt zu fahren, um dort weitere Aufnahmen zu machen. Stattdessen bin ich allerdings an die Küste, zum Kattegat gefahren. Und diese Entscheidung bereue ich absolut nicht. Der Ausblick war wundervoll. Mit einer kleinen Kletteraktion auf einen Felsen ließ sich das Panorama noch mehr genießen. Die Küstenlinie war geprägt von bewachsenen Felsen und auf einer anderen Landspitze war ein Hafen, von welchem mehrere Schiffe auf die nahegelegenen Inseln fuhren. Ich bin nicht gerade oft am Meer, weshalb mich dessen riesige Weiten jedes Mal aufs Neue faszinieren.

Hafen Goteborg

Stunden vergingen, in denen ich viel an der Küste filmte und fotografierte. Doch ich musste mich dann losreißen, denn die Reise sollte weitergehen. Das nächste Ziel war Fredrikstad. Mein erster Halt in Norwegen. Weit kam ich jedoch nicht aus Göteborg, als ich von der Europastraße aus eine große Burg auf einem Plateau sah. Ich konnte nicht anders, als anzuhalten und sie mit meiner Drohne um- und überzufliegen. Nach dem kurzen Stopp ging es weiter in Richtung Fredrikstad. Um in die Stadt zu kommen musste ich über eine lange, hohe Brücke fahren. Der erste Blick auf die Stadt begeisterte mich sofort. Ich steuerte direkt auf den Wohnmobilstellplatz zu und beeilte mich, um den Sonnenuntergang an der Küste einzufangen. Auf diesen Sonnenuntergang freute ich mich besonders, da ich in den letzten Tagen eher Pech mit dem Wetter hatte und es gerade zum Abend hin immer wieder bewölkt war.

Und es war noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Die felsigen Inseln der Küste erstrahlten in einem goldenen Schimmer und das Wasser spiegelte sie wieder. Ich konnte mich gar nicht entscheiden, welches Motiv ich zuerst fotografieren sollte. Und selbst als ich den Rückweg antreten wollte, hielt ich immer wieder an, um erneut meine Kamera herauszuholen. Die Ergebnisse des Tages konnten sich definitiv sehen lassen. Ich verbrachte den Rest des Abends damit, die Fotos zu bearbeiten.

Fredikstad Fels 16zu9

Heute werde ich noch einen Abstecher in die Innenstadt von Fredrikstad machen und mich dann später auf die letzten Kilometer nach Oslo machen. Dort plane ich mich zumindest zwei, wenn nicht sogar drei Tage aufzuhalten, um genug von der Stadt zu sehen.

 Kapitel IV

Kein Geld, was nun?

Maps Oslo

Bezaubernd, klein, aber fein. So würde es klingen, wenn ich Fredrikstad beschreiben würde. Die Innenstadt, welche am Fluss gelegen ist, ist bunt und mit Springbrunnen, Statuen und Pflanzen verziert. Über den Fluss führt eine große Brücke, die Fußgänger und Radfahrer auf die andere Seite bringt. Auf dem Fluss fahren viele kleine Boote, manche davon mit Norwegenflaggen, die im Wind wehen. Die alten Hausfassaden in allen möglichen Farben reihen sich am Ufer des Flusses auf und die Menschen wirken entspannt und heiter.

Mein Abstecher in die Innenstadt war durchaus eine gute Entscheidung. Fredrikstad soll als eine sehr höfliche und warmherzige Stadt gelten. Mein kurzer Aufenthalt lies mich dies leider nicht bestätigen, allerdings fühlte ich mich dort sehr wohl. Ich verbrachte nicht besonders lange in der Innenstadt, denn mein eigentliches Tagesziel war Oslo. Die Fahrt war mit unter 100 Kilometern nicht besonders lang, was auch gut war, denn auf das, was mich in Oslo erwartete war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Gegen 18 Uhr erreichte ich den Campingplatz Ekkeberg. Doch als ich mich an der Rezeption anmelden wollte stieß ich auf ein Problem… Meine Girokarte funktionierte nicht. Also hieß es für mich, mit dem Wohnmobil in die Stadt zu fahren und nach einem Geldautomaten zu suchen. Leichter gesagt, als getan. Oslo ist eine Großstadt, mit rund 500.000 Einwohnern. Das Straßennetz ist sehr gewöhnungsbedürftig und wenn man dann noch versucht mit einem fast sieben Meter langem Wohnmobil durch die Stadt zu fahren und vor allem einen Parkplatz zu finden, dann kann man schon mal leicht verzweifeln. Nach langem umherfahren fand ich letztendlich eine Möglichkeit, mein Wohnmobil abzustellen. Ob ich es dort durfte, ist eine andere Sache. Demnach eilte ich zu dem Geldautomaten und wollte mein Geld abheben. Karte rein, Pin eingeben, Betrag auswählen… Abgelehnt. So langsam machte sich bei mir Panik breit. Ich wiederholte die Tortur an verschiedenen Geldautomaten, doch keiner funktionierte. Ich versuchte meine Bank über die Service Hotline zu erreichen, doch alle Versuche schlugen ebenfalls fehl.

Da stand ich nun. Keine verwendbare Karte, kein Bargeld, keine Hilfe von meiner Bank. Was nun?

Dann kam mir die rettende Idee. Ein guter Freund, Martin, den ich schon seit ein paar Jahren kenne und auch geplant hatte in Oslo endlich mal zu treffen, war meine Rettung. Ich kontaktierte ihn und erklärte ihm meine Situation. Wir machten aus, dass er mir das Geld vom Automaten abhebt und ich es ihm anschließend überweise. Eine knappe Stunde später kam er auch vorbei und ich bekam endlich das so dringend benötigte Geld. Wir verabredeten uns für den Abend und ich machte mich erneut los zum Campingplatz. Dieses Mal gab es keine Probleme und ich konnte mir meinen Stellplatz für die kommenden Tage aussuchen. Da der Campingplatz ungefähr hundert Meter höhergelegen ist als die Stadt, hat man von dort aus einen grandiosen Blick auf die Stadt. Ich schnappte mir mein Fahrrad und fuhr in die Stadt, um Martin zu treffen. Der Weg in die Stadt war sehr steil bergab und hätte ich nicht den Luxus eines E-Bikes, wäre mir bei dem Gedanken an die anstehende Heimreise zum Wohnmobil schon ganz schummrig geworden.

Martin lud mich zu sich in die Wohnung ein. Wir redeten viel über die Besonderheiten in Oslo und dass er die Stadt definitiv nicht so schön fände, wie seine eigentliche Heimat Alesund. Auf meinen Wunsch besprachen wir noch einmal die Route, welche ich durch Norwegen nehmen wollte. Martin meinte, dass ich auf dem Wege so gut wie alle besonderen Orte Norwegens verpasse. Also erstellten wir eine neue Route mit den wichtigsten Orten.

Maps

Demnach werde ich von Oslo aus nicht wie zuerst geplant nach Süden fahren, sondern nach Nordwesten. Der erste geplante Halt in jene Richtung wird Bjorli sein. Trondheim wird ausgelassen, stattdessen kommen mehrere kleinere Städte hinzu, welche mir zudem einen guten Blick auf die schönen Fjorde ermöblichen.

In Oslo werde ich voraussichtlich noch einen Tag verweilen, wahrscheinlich allerdings noch einen Tag länger, um auch wirklich die Zeit zu haben möglichst viel zu sehen.

Kapitel V

Alles nach Plan

Night Oslo 21zu9

Der gestrige Tag zog sich bis spät in die Nacht hinein. Um 0:30 Uhr war ich auf dem Weg zum Campingplatz. Es ist hier in Oslo um diese Zeit immer noch nicht ganz dunkel und je weiter ich in den Norden fahren werde, desto später wird es dunkel werden. Ich merke jetzt schon, wie meine innere Uhr durcheinandergerät. Ich kann nur hoffen, dass es mir auch im Norden noch relativ leicht fällt meinen Schlafrhythmus einzuhalten, da ich es normalerweise gewohnt bin schlafen zu gehen, wenn es dunkel ist.

Oslo ist bei Nacht wunderschön zu betrachten. Besonders von dem erhöhten Campingplatz aus bietet sich ein beachtliches Lichterspiel. Es scheint teilweise so, als würden es die Lichter der Stadt sein, die den gesamten Himmel auch nachts noch zum erleuchten bringen. Es war ungefähr um 1 Uhr, als ich endlich im Bett lag und den Stress des Tages vergessen konnte.

Heute habe ich ausgeschlafen. Der Tag fing bewölkt, windig und auch mit Regen an. Da die Wettervorhersage mit allerdings versicherte, dass das Wetter zum Nachmittag hin aufklart, ging ich den Tag eher ruhig an und kümmerte mich vorerst um die Versorgung des Wohnmobils und um die Wäsche. Tatsächlich hörte es zum Nachmittag dann auch mit dem Regen auf und ich konnte mich mitsamt meinen Kameraequipments in die Stadt aufmachen. Und eines ist mir dort klargeworden. In Oslo gibt es unglaublich viel zu sehen. Das Opernhaus, die Häuserfassaden, die mit Blumentöpfen liebevoll verzierten Straßen, die wunderschönen Parks, Springbrunnen, Statuen, das Königsschloss… Ich könnte diese Liste noch viel weiterführen, aber ich denke, für einen ersten Eindruck reicht dies. Meine Entscheidung, noch einen Tag länger in Oslo zu bleiben, fiel mir so relativ leicht. Es gibt noch einiges mehr, was ich in Oslo filmen kann.

Eines ist mir allerdings schon jetzt in meiner Zeit in Norwegen aufgefallen. Die Menschen hier scheinen alle viel offener und interessierter an Einem zu sein. Es kam schon ein paar Mal vor, dass ich auf meine Kamera angesprochen wurde, und was ich denn filme. Diese Offenheit macht es einfacher, auch selbst auf die Leute zuzugehen und mit ihnen Unterhaltungen zu führen.

Der morgige Tag wird ebenfalls gefüllt sein mit Filmaufnahmen. Ich werde unter anderem in den Stadtteil Barcode fahren, um einige Architekturaufnahmen zu machen. Zudem werde ich mich erneut mit Martin treffen und zusammen werden wir geeignete Orte suchen, an denen wir mit der Drohne noch Luftaufnahmen von Oslo und den Inseln vor der Küste bekommen.

Alledem vorausgesetzt, dass das Wetter mitspielt.

Kapitel VI

Liebe auf den zweiten Blick

Oslo Hafen2

Langsam verliebe ich mich doch in Oslo. Der erste Eindruck der Stadt war für mich bekanntlich ja kein sehr guter. Probleme mit dem Geld, mit dem Verkehr und mit der Orientierung. Doch letztendlich ist mir Oslo sehr ans Herz gewachsen. An jeder Ecke gibt es schöne Orte, Parks und Sehenswürdigkeiten. Dies mag man wahrscheinlich in jeder Stadt sehen, aber mit so einer Häufigkeit und Dichte wie hier, habe ich es zuvor definitiv noch nicht erlebt.

Mein heutiger Ausflug diente hauptsächlich zum Aufnehmen von Zeitraffer Aufnahmen und dem Filmen im Barcode Viertel. Das Barcode Viertel ist ein sehr spezieller Ort, der sich grundlegend vom Rest der Stadt unterscheidet. Es besteht aus mehreren Hochhäusern, von denen jedes noch ausgefallener aussieht als das Andere. Der Name des Viertels kommt von der Anreihung der Gebäude, welche durch ihre Lücken einem Barcode ähneln. Verwendet werden die Gebäude hauptsächlich als Bürokomplexe und für Restaurants, allerdings sollen sich auch Wohnungen in ihnen befinden. Es ist auf jeden Fall erstaunlich, zwischen diesen riesigen Kunstwerken hindurch zu gehen und zu sehen, wie sich die Wolken in den vielen Fenstern der Gebäude spiegeln.

Die Zeit verflog schnell. Zum Abend hin hatte ich mich erneut mit Martin verabredet. Er wollte mich unbedingt zu der Liveübertragung des Frankreich-Belgien Spiels mitnehmen und versprach mir, dass es in Oslo eine große Veranstaltung zu den WM Spielen gäbe. Ein Fußball-Fan bin ich noch nie gewesen und ich konnte bisher auch relativ wenig damit anfangen. Jedoch bot sich die Gelegenheit gut an, um noch einmal einen Eindruck von den Einwohnern zu bekommen. Da der Weg mit dem Fahrrad aufgrund der hohen Steigung zum Campingplatz sehr anstrengend ist und ich auch noch erschöpft vom Filmen in der Stadt war, holte Martin mich mit dem Auto vom Campingplatz ab und wir fuhren ins Zentrum.

Als ich die Masse an Menschen sah, die sich in den Bereich des Public Viewings drängte, blieb mir die kurz die Luft weg. Ich zweifelte kurz, aber als ich bemerkte mit welcher Professionalität und Geschwindigkeit alles voranging, war ich dann doch recht gespannt, was mich erwartet. Der abgezäunte Bereich war mit vielen Sitzmöglichkeiten, zwei großen Bildschirmen und einer Bargeldlosen Getränkebar ausgestattet. Einen Platz zu finden, war jedoch das größte Problem. Nach längerer Suche fand sich dieser allerdings. Die Stimmung der Menschen war außerordentlich. Manche tanzten zu der Musik, welche in Vorbereitung auf das Spiel gespielt wurde, andere waren bereits gut mit dem Alkohol vertraut. Wieder andere waren in den Landesfarben von Belgien oder Frankreich gekleidet und hatten sichtlich gute Laune. Auf den Bildschirmen lief vor der Ausstrahlung eine Übertragung der Livekamera vor Ort, mit der sie durch das Publikum schwenkten und bei ausgewählten Gästen stehen blieben. Diese fingen zumeist an zu tanzen oder machten andere Dinge, die das Publikum zum Lachen brachte. Besonders war auch die Kisscam, welche ebenso durch das Publikum schwenkte und sich erstaunlicherweise hauptsächlich männliche Gäste heraussuchte. Zu meiner Überraschung zögerten diese meist nicht und legten sich ziemlich ins Zeug, was wahrscheinlich auch daran gelegen haben mag, dass der beste Kuss eine Reihe von Geschenken gewinnen konnte. Letztendlich gewann allerdings trotz der vielen Versuche der männlichen Küssenden ein älteres Paar. Während des Spiels hielt sich die Stimmung und es wurden beide Mannschaften zu gleichen Teilen angefeuert.

Mein Eindruck vermittelt mir bisher, dass sich die Mentalität der Menschen in Norwegen grundlegend von denen in Deutschland unterscheidet. Mir gefällt es hier immer besser und so finde ich es doch schon schade, dass ich Oslo morgen verlassen werde. Um 10 Uhr ist meine Abreise geplant. Das nächste Ziel auf meiner Reise wird Björli sein. Ich hoffe allerdings, noch mehr von der Mentalität der Menschen mitzubekommen und noch mehr über die Norweger zu lernen.

Kapitel VII

Von Bergen, Seen und Flüssen

Tobi Bjoni

Es ist jetzt 22.20 Uhr. Während es in meiner Heimat Leipzig vermutlich schon dunkel ist, nähert sich hier erst so langsam die Sonne dem Horizont. Es regnet, aber die Sonne strahlt mit ihren goldenen Strahlen durch die Wolken hindurch und erhellt die Nacht. Dunkel wird es heute vermutlich kaum.

11 Uhr war es, als ich heute Oslo verließ und mich auf meinen Weg nach Norden in die kleine Stadt Bjorli machte. Die Straßen werden, je weiter nördlich ich komme, immer leerer. Die Landschaft hingegen wird immer erstaunlicher. Es dauerte nicht lange, da türmten sich links und rechts von der Straße Berge auf. Allerdings keine kahlen felsigen Berge, sondern grün bewachsende Berge. Zwischen ihnen, im Tal, zog sich ein breiter Fluss, parallel zur Straße verlaufend. Ich war verblüfft von dem Anblick der Landschaft und wollte am Liebsten alle paar Kilometer anhalten, meine Kamera und Drohne herausholen und darauf los filmen.

See Lillehammer

Da war zuerst Lillehammer. Eine große Stadt am Fluss und mein erster kurzer Halt. Der Fluss hatte in seiner Breite schon Anmutungen eines Sees, so ruhig er doch war. Ein Motiv, dem ich nicht widerstehen konnte.

 Die Reise ging weiter gen Norden, bis ich letztendlich in Bjorli ankam. Es ist eine sehr unscheinbare und kleine Stadt, die für mich eher als kleiner Zwischenstopp und zur Nachtruhe gilt. Ein Juwel gibt es hier aber dennoch. Direkt neben der schwach befahrenen Europastraße befindet sich ein kleiner Rastplatz. Gerade einmal groß genug für ein paar Autos. Von diesem Rastplatz aus hat man einen fantastischen Ausblick auf die nahegelegenen Berge und keine 50 Meter vom Parkplatz aus rauscht ein Fluss einen steinigen Abhang hinunter. Das Rauschen des Flusses hat eine wohlig, beruhigende Wirkung.

Fluss Bjorni 1

Ich ließ den Tag heute ruhig ausklingen, um Energie für meine Ankunft in Andalsnes morgen zu schöpfen. Ich werde allerdings einen kleinen Umweg zu der bekannten schlangenförmigen Abfahrt Trollstigen machen, worauf ich mich schon sehr freue.

Kapitel VIII

Ein mystisches Abenteuer

Andalsnes Fjord

Eigentlich sollte die Fahrt heute nicht lange dauern. Der Plan war, dass ich spätestens gegen Beginn des Nachmittags auf dem Campingplatz in Andalsnes bin und dort meine Aufnahmen mache. Vorher stand noch der Trollstigen auf der Liste, von der ich schon gestern erzählte. Jedoch sollte alles anders kommen…

Am Morgen wurde ich durch das angenehme Rauschen des Flusses geweckt. Als ich die Jalousie öffnete, strahlte mir das Tageslicht entgegen. Ich machte mich für den Tag fertig, frühstückte und setzte mich an das Steuer, um mich möglichst schnell zu meinen Tageszielen aufzumachen. Auf der Straße bemerkte ich, dass es an diesem Tag doch schon ziemlich neblig war. Die Bergspitzen waren nicht zu sehen und der Nebel lag wie eine Wattedecke über die Berge. Es verlieh der ganzen Landschaft etwas Mystisches. Und nach so vielen Tagen gefüllt von prallender Sonne war es auch einmal eine angenehme Abwechslung. Ich machte mir weiter keine Gedanken und begab mich auf zum Trollstigen.

Als ich dort ankam, bemerkte ich langsam meinen Denkfehler. Der Nebel war so dicht, dass von der Trollstigen nicht das geringste zu sehen war. Was nun? Ich hielt auf einem Parkplatz am Fuße des Berges und überlegte, was ich tun sollte. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich doch den Versuch zu wagen und in der Hoffnung, dass das Wetter oben besser sei, hinauf zu fahren. Der Weg war steil und die Straßen eng. Noch scherzte ich „Wenn mir hier einer entgegenkommt, dann wird es ziemlich eng“. Ich wusste nicht, auf was für ein Abenteuer ich mit dort einließ. Eine Kurve, zwei Kurven, drei Kurven, vier Kurven… Stopp. Stau. Es ging nichts mehr. Durch den dichten Nebel konnte ich nicht sehen, was mich die Straße weiter oben erwartete und ich konnte auch jetzt nicht sehen, wie weit sich der Stau erstreckte. Für eine lange Zeit bewegte sich gar nichts. Dann ging es schleichend voran und zuletzt bewahrheitete sich das, wovor ich mich gefürchtet hatte. Gegenverkehr. Die Straße war eng. Links von mir, auf der Gegenfahrbahn waren Felsen des Berghangs nach oben. Auf dieser Seite war die Straße ab einem bestimmten Punkt zu Ende. Wenn man dort von der Straße abrutschen würde, steckte man mit Sicherheit fest. Rechts von mir der Abhang. Allerdings war er durch eine dicke Kniehohe Betonmauer abgesichert. Nach unten konnte man aufgrund des Nebels nicht schauen. Um die Autos des Gegenverkehrs durchzulassen fuhr ich soweit es ging nach rechts hinan. Zwischen meinem Wohnmobil und der Mauer schätzte ich einen Abstand von maximal 15 Zentimeter.

Trollstigen Nebel

Der Verkehr bewegte sich langsam weiter. Mittlerweile stand ich schon fast eine Stunde dort und kam kaum voran. Die fünfte Kurve stand an. Sie war sehr breit. Einige Autofahrer nutzten dies aus, um zu wenden. Ich geduldete mich jedoch in der Hoffnung, dass es doch noch weitergeht. Ca. 50 Meter weiter kam ich, als ich die Straße weiter hoch einen Bus in meiner Richtung kommen sah. Mehrere Menschen in Warnwesten versuchten, den Verkehr zu regulieren. Der Bus war sehr breit und vor allem war ich nicht als Einziger mit einem Wohnmobil unterwegs. Der Bus kam nicht durch. Einer der Männer kam auf mich zu und sagte mir, ich solle umdrehen und wieder herunterfahren. Ich wartete bis sich der Verkehr hinter mir legte und fuhr rückwärts bis zu der breiten Kurve. Dort schaffte ich es mir einigen Zügen zu wenden. Jetzt wurde ich selbst zum Gegenverkehr. Auf derselben Gerade wie zuvor musste nun ich an den anderen Autos, aber auf der anderen Seite, vorbeifahren. Ein, zwei Autos waren kein Problem, doch dann kamen andere Wohnmobile. Trotz dessen, dass sie soweit sie konnten an die Betonmauer fuhren, bot sich für mich kaum Platz an ihnen vorbei zu gelangen. Die Seitenspiegel waren eingeklappt und ich näherte mich vorsichtig an. Zwei Männer in Warnwesten lotsten mich vorbei. Ich fuhr selbst soweit rechts, wie ich konnte. Dazu stellte ich meinen rechten Außenspiegel so ein, dass ich die Straße sehen konnte. Links maximal 7 Zentimeter, rechts maximal 7 Zentimeter. Zu weit links und ich ramme das Wohnmobil, zu weit recht und ich lande im Graben. Es war eine nervenaufreibende Gratwanderung. Die Erleichterung stand mir ins Gesicht geschrieben, als ich die Wohnmobile alle sicher passierte. Einer der Männer in den Warnwesten warf mir noch ein „This was perfect driving“ hinterher. Ich lachte und erwiderte stolz „Thank you“

Wieder unten am Parkplatz angekommen entschied ich mich, mit dem E-Bike wieder hinaufzufahren. Ich packte mein Kameraequipment zusammen und holte das Fahrrad aus dem Wohnmobil. Es verging wohlgemerkt maximal eine halbe Stunde dabei. Ich begann den Berg hinauf zu radeln. Die ersten Kurven waren so leer, wie ich sie erwartet hatte und dann kam ich zu dem Punkt an dem vor 1,5 Stunden der Stau begann. Es war leer. Kein Auto. Ich fuhr weiter. Die nächste Kurve, kein Auto. Nächste Kurve, immer noch kein Auto. Der Verkehr hatte sich komplett aufgelöst. Zuerst ärgerte ich mich, da ich jetzt auch mit dem Auto hätte hochfahren können, aber da ich schon auf halben Wege war fuhr ich weiter. Ich muss hierzu sagen, dass die Auffahrt auch mit dem E-Bike keineswegs leicht gewesen ist. Ich zolle absoluten Respekt vor jenen Leuten, die dort mit einfachen Fahrrädern hinauffahren. Nach 2/3 des Weges machte mein E-Bike jedoch schlapp und ich bekam die volle Anstrengung des Aufstiegs zu spüren. Weit kam ich nicht mehr, aber es machte auch keinen Unterschied. Der Nebel war so dicht, dass man eh nichts sah. Nicht einmal 20 Meter konnte man in den Nebel schauen, geschweige denn die nächste oder letzte Kurve sehen. Ich holte meine Kamera hinaus und filmte und fotografierte, was ich konnte. Die Straße im Nebel, die Wasserfälle entlang der Straße, den Berghang.

Trollstigen Wasserfall 1

Die Abfahrt war deutlich entspannter. Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass der Nebel von einem sehr feinen Sprühregen begleitet war und man mit der Zeit ziemlich nass wurde. Es ging nun also Bergab mit dem Fahrrad. Bis zu 45km/h erreichte ich. Der Wind pfiff mir um die Ohren, meine Hände wurden kalt, ich bekam Sprühregen ins Gesicht und ich konnte durch den Nebel kaum sehen. Adrenalin pur. Das machte definitiv gute Laune. Als ich unten am Parkplatz ankam, war ich ziemlich durchnässt. Ich stellte mein Fahrrad weg machte mich kurz fit und wollte eigentlich gerade los, als ich mit zwei Touristen ins Gespräch kam und diese mir einen kleinen Pfad vom Parkplatz aus empfohlen. Dort sollte man einen wunderbaren Blick auf den Wasserfall von Trollstigen haben. Also ging ich dort auch noch fix hin und fotografierte den Wasserfall.

Trollstigen Wasserfall 3

Nun war es aber endgültig für mich an der Zeit, nach Andalsnes zu fahren. Ich verbrachte viel mehr Zeit auf dem Trollstigen, als ursprünglich geplant. In der Stadt angelangt checkte ich sofort auf dem Campingplatz ein, bevor ich noch einen Ausflug zum nahegelegenen Supermarkt machte und am späteren Abend meine Drohne steigen ließ.

Der Tag war sehr aufregend, und dementsprechend ist auch der Blogeintrag heute etwas länger. Morgen soll das Wetter wieder besser werden. Ich habe mir auch schon von der netten Rezeption einige Tipps für Orte in Andalsnes geben lassen, welchen ich morgen einen Besuch abstatte.

Kapitel IX

Auszeit

DJI Brücke

Die Hälfte meines Weges liegt nun hinter mir. Heute kam ich in Kristiansund an. Der Hafen der Stadt befindet sich im Zentrum der zerklüfteten Landmasse, die Kristiansund beschreibt. Die Häuser stehen verteilt und unterschiedlich hoch auf dem mit Brücken verbundenen Land. Hunderte von kleinen Booten liegen im Hafen an den Stegen an. In der Ferne sind die Berge nur noch zu erahnen. Der Rest ist der offene Atlantik.

Der Weg nach Kristiansund führte über mehrere lange Brücken und Tunnel, die sich über das Wasser hinweg und unter den Bergen hindurch erstreckten. Ebenso fuhr ich heute zum ersten Mal mit einer kleinen Fähre über „Langfjorden“. Es war die erste von mehreren, denn auf dem Weg nach Alesund und Geiranger werde ich mich noch auf einigen wiederfinden.

Mein heutiger Blog wird nur sehr kurz, was daran liegt, dass ich mir jetzt nach der Hälfte der Reise eine kleine Auszeit gönne. Die letzten Tage und wahrscheinlich auch die, welche nun noch kommen, bestanden zum größten Teil aus langen Autofahrten, filmen, fotografieren, bearbeiten und schreiben. Einen Ausgleichstag zu nehmen, sehe ich daher als das Beste für mich.

In meinem morgigen Eintrag werde ich von meiner Reise nach Alesund und dieser wundervollen Stadt berichten.

Kapitel X

Zeit! Mehr Zeit!

Atlantahavsveien Haus 21zu9

Zeit benötige ich. Viel Zeit, denn die, die ich habe reicht keineswegs aus, um die Schönheit Norwegens auch nur ansatzweise in seiner vollen Gänze zu erleben. Ich habe den Entschluss gefasst wiederzukommen. Die kommenden Male jedoch auf anderem Wege und zu bestimmten Orten, an denen ich mir ausgiebig Zeit lasse, diese zu besichtigen. Wann es sein wird, kann ich nicht sagen. Wohin es gehen wird, weiß ich ebenfalls noch nicht. Doch dass ich wiederkehren werde. Das weiß ich jetzt schon.

Der heutige Tag begann eher. Die Strecke war länger und es gab einiges zu sehen. Kristiansund war schnell verlassen. Das erste Ziel des Tages war die Atlantikbrücke, auch „Atlanterhavsveien“ genannt. Sie ist eine lange geschwungene Landbrücke, welche mehrere kleine Inseln miteinander verbindet. Ein besonderer Touristenmagnet. Besonders Fotografen und Drohnenpiloten haben ihren Spaß an der atemberaubenden Szenerie von felsigen Inseln, rauer See und der beeindruckenden Architektur der Brücke. Ich selbst startete auch meine Drohne und filmte die Brücke.

16zu9

Es ging für mich weiter in Richtung Alesund. Die Landschaft wurde mit jedem gefahrenen Kilometer noch schöner. Dabei die Konzentration auf der Straße zu behalten ist gar nicht so einfach. Ungefähr 70 Kilometer vor Alesund wurde ich von einem wunderschönen Berg so abgelenkt, dass ich nicht anders konnte als anzuhalten und zu fotografieren. Die Spitze des Berges wurde von Wolken gestreift und er selbst durch die Sonne angestrahlt. Die Dynamik war einfach grandios.

Berg2 16zu9

Ich befinde mich nun in Alesund. Von der Stadt selbst habe ich bisher allerdings nur wenig gesehen. Meine Pläne haben sich allerdings erneut ein klein wenig verändert. Der Punkt mit der Zeit hat mir zu denken gegeben. Nach einigem Berechnen des restlichen Weges und der verbleibenden Zeit werde ich nun den Rest der Reise entspannter angehen. Dies bedeutet für mich, dass ich meinen Aufenthalt in Alesund bis auf Montag, das ist in zwei Tagen, verlängere. So kann ich mir die Stadt ohne Zeitdruck anschauen.

Kapitel XI

Auf und ab

Alesund Selfie

Alesund ist definitiv keine fahrradfreundliche Stadt. Das liegt aber nicht an der Infrastruktur, sondern eher an der Landschaft. Sie wurde auf genau einer solchen Insel gebaut, wie die die sie umgeben. Die Häuser sind uneben angeordnet und die Straßen schauen aus, als hätte man sie wie einen Teppich einmal wellig aufgeschlagen. Ein ständiges Auf und Ab.

Die Stadt selbst kann schöner fast nicht sein. Wer sich mit der Geschichte Alesunds befasst lernt, dass die Stadt 1904 fast komplett abbrannte und in relativ kurzer Zeit im Jugendstil wiederaufgebaut wurde. Dies ist im Kern noch immer zu sehen und durchaus sehr schön zu betrachten. Heute ging mein Ausflug auf die „Fjellstua“, einer hochgelegenen Aussichtsplattform, von der aus einem ein Überblick über die Stadt ermöglicht wird. Falls ihr bereits Bilder von Alesund gesehen habt, so wurden sie garantiert von dort aufgenommen. Der Ort erfreut sich durchaus auch sehr der Beliebtheit von Touristen, weshalb sich dort oben auch direkt ein Restaurant befindet.

Alesund Top 16zu9

Mein Tag verlief heute eher ruhig, denn ich möchte meine Reise nach Geiranger morgen entspannt angehen. Der Geirangerfjord ist der Teil der Reise, auf den ich mich von allem bei weitem am Meisten freue. Für meinen Aufenthalt dort sind ebenfalls zwei Tage geplant und ich hoffe, in dieser Zeit viele Fotos und Videos machen zu können. Ich sitze nun im Wohnmobil, Blick in Richtung des Atlantiks. Die Sonne steht immer noch hoch am Horizont und strahlt mir ins Gesicht. So wird der Tag auch enden. Entspannt, wie er begann.

Kapitel XII

Enttäuschung

Geiranger oben 21zu9

Der Tag begann wundervoll. Die Sonne strahlte in mein Wohnmobil und die Wolken hatten sich endlich verzogen. Der blaue Himmel zeigte sich erneut. Ich frühstückte, machte das Wohnmobil reisefertig und fuhr los. Ich war voller Vorfreude auf den Geirangerfjord, nachdem ich bisweilen unzählige wunderschöne Bilder von dort gesehen hatte. Der Weg aus Alesund führte durch viele Tunnel. Diese fand ich schon ziemlich interessant, denn die Wände waren unebene Felswände, die eher einem Tunnel von Bergarbeitern ähnelte, als der einer Hauptverkehrsstraße.

Aus Alesund hinaus und hinein in die Berge. Die Steigungen der Straßen wurden steiler und sie schlängelten sich die Berge entlang. Vor der Fährüberfahrt nach Geiranger machte ich Halt in Valldalen. Valldalen wird auch die Erdbeerstadt genannt und ist, wie der Name schon sagt, für ihre Erdbeeren bekannt. Ich konnte nicht widerstehen, selbst zuzugreifen. Und so holte ich mir einen kleinen Korb gefüllt mit riesigen Erdbeeren und für meine Familie Erdbeersoße und ein Glas Erdbeermarmelade. Die Landschaft, in der sich die Stadt befindet, ist atemberaubend. Umgeben von riesigen Bergen und einem breiten Fjord, der sich durch die Berge hindurchzieht.

Die Fährüberfahrt nach Geiranger stand an. Da die Fähren relativ häufig fuhren, musste ich nicht allzu lange warten. Auf der anderen Seite angekommen führte die Straße erneut sehr steil den Berg vor Geiranger hinauf. Am höchsten Punkt hielt ich an, von wo aus ich mir einen ersten Blick auf den Fjord verschaffen konnte. Und ich war begeistert. Ich konnte es kaum erwarten, dort unten zu sein, mit meiner Drohne den Fjord entlang zu fliegen und mich dann mit meinen Erdbeeren aus Valldalen in den Sonnenuntergang zu setzen. Es sollte allerdings anders kommen.

Igitt 16zu9

Dem Schlangenpfad folgend näherte ich mich dem Ziel. Es ging steil bergab. Je tiefer ich fuhr, desto klarer wurde mir das Problem, dem ich mich gegenübersah. Kreuzfahrtschiffe. Genauer gesagt, die Abgase der Kreuzfahrtschiffe. Schon auf dem Berg drang durch die Klimaanlage ein derart beißender, stechender Geruch von Abgasen in meine Nase, dass es mir schnell zu Kopfe stieg. Der komplette Fjord war durch den weißen Dunst des Kreuzfahrtschiffes vernebelt. Meine Hoffnung war zuerst, dass der Gestank sich legen würde, sobald ich unten beim Campingplatz ankäme. Dem war allerdings nicht so. Da der Platz zudem eh ausgebucht war, versuchte ich mein Glück bei einem Platz, welcher etwas weiter außerhalb des Zentrums war. Zunächst dort eingecheckt schien es vermeintlich besser zu sein. Jedoch kam mit jedem Windzug ein weiterer Schwall des abscheulichen Gestanks heran. An diesem Punkt hatte ich meinen Entschluss gefasst, Geiranger hinter mir zu lassen. Ich bekam netterweise mein Geld zurück und machte mich weiter in die Richtung auf, welche ich nach meinem Fjordbesuch eingeschlagen hätte. Ungefähr fünf Kilometer von der Stadt entfernt fand ich nun einen kleinen abgelegenen Campingplatz. Der Gestank der Abgase liegt mir allerdings noch immer in der Nase und es wird sicherlich eine Weile dauern, bis ich ihn komplett losgeworden bin.

Ich bin zurzeit einfach nur pur enttäuscht davon, dass ich Geiranger derart anders vorgefunden habe, als das, was ich mir vorgestellt hatte. Die Landschaft ist definitiv bewundernswert, aber mit dem regen Tourismus und den großen, luftverpestenden Schiffen raubt es mir jeden Spaß an der Foto- und Videografie. Ich setze nun all meine verbleibende Hoffnung auf Loen und Olden.

Und noch einen weiteren Entschluss habe ich für mich selbst gefasst. Ich werde nie in meinem Leben mit einem Kreuzfahrtschiff fahren.

Kapitel XIII

Sturm

Bergsee 21zu9

Nach dem traurigen Erlebnis des letzten Tages fing der heutige Tag mit frischer Luft an. Der Abgasgeruch war komplett verschwunden und es ließ sich wieder befreit atmen. Das heutige Tagesziel Loen war zwar nur rund 80 Kilometer von Geiranger entfernt, allerdings zog sich die Fahrt aufgrund der kurvenreichen Straßenführung und der zahlreichen Pausen zum Bestaunen der Natur ziemlich hin. Zuerst führte mich der Weg einen hohen Berg hinauf. Soweit sogar, dass am Straßenrand kleine Gletscher zu sehen waren. Die Landschaft war schroff und felsig, aber nicht weniger schön als die grünbewachsenen Berge. Am höchsten Punkt des Berges befand sich ein großes Plateau mit einem klaren Bergsee. Das Wasser des Sees war leicht grünlich gefärbt und war von noch höher hinausragenden Bergen umringt. Am Ufer des Sees haben einige Besucher Türme aus Steinen gebaut, welche zu Vielen lose umherlagen.

Berg Hoch

Bergfluss

Nach längerem Aufenthalt ging es den Berg hinab durch mehrere sehr lange Tunnel in Richtung der Stadt Loen. In der Ferne verdunkelte sich der Himmel. In kürzester Zeit wurden die Berge von den dichten Wolken verschlungen. Ich hatte etwas Derartiges noch nie erlebt. Als ich am Fuße des Berges angekommen war, konnte ich sehen, wie sich eine Regenwand auf mich zu bewegte. Mit einem Mal goss es in Strömen und der Wind war so stark, dass die Bäume am Straßenrand sich bogen. Die Straßen fluteten und schnell bildeten sich große Pfützen. Aber so schnell der Sturm auch kam, so schnell legte er sich wieder und ging rasch in einen normalen Regenschauer über. Je näher ich Loen kam, desto weniger regnete es und als ich letztendlich ankam, hörte es komplett auf. Es grenzte schon etwas an ein Wunder.

Loen DJI See

Gletscher Loen

Auf Empfehlung einer weiteren Reisenden steuerte ich einen Campingplatz etwas weiter abgelegen vom Zentrum der kleinen Stadt an. „Lovatnet“, so heißt der See, an dem der Platz gelegen ist. Er ist mehr grün als blau und nicht sehr stark besucht. Von den Bergen fließen viele kleine Wasserfälle in den See. Es ist ruhig. Hier lässt es sich aushalten.

Kapitel XIV

Der Sturz

Wasserfall Loen

Mit dem Prasseln des Regens wurde ich heute in der Früh geweckt. Die Jalousien des Wohnmobils waren geschlossen. Ich konnte nichts vom Regen sehen, aber dem Gehör nach war es ein ziemlich starker Schauer. Ich drehte mich um und schloss noch einmal die Augen. Als ich zum zweiten Mal aufwachte war der Regen vorüber und die Sonne strahlte. Der Himmel war blau. Am heutigen Tage nahm ich mir vor weiter in Richtung der Berge zu fahren, um mich dort nach Fotomotiven umzuschauen. Ich schnappte mir mein Fahrrad, lud meine Kameras in den Rucksack und fuhr rund 4 Kilometer die Straße entlang. Ich kam an eine Abzweigung. Der Wegbeschreibung konnte ich entnehmen, dass der Weg zu meiner linken einen Berg hinauf zu einem großen Wasserfall und einem Gletscher führte und der Weg die Straße weiter entlang auch zu einem Gletscher führte. Dieser war allerdings weiter entfernt. Im Schatten der Berge wurde es rasant kühler, weshalb ich mich entschied noch einmal umzukehren und Jacken und meine Drohne mitzunehmen.

Wieder an der Kreuzung angekommen entschied ich mich für den Weg zu meiner Linken. Die Steigung des Weges war nicht zu verachten, aber nach Trollstigen und der Auffahrt zum Campingplatz in Oslo war ich optimistisch es zu schaffen. Auf einen Kilometer Weg kamen in etwa 100 Höhenmeter. Selbst mit dem E-Bike machte mir dies zu schaffen und ich musste schon nach dem ersten Kilometer eine Pause einlegen. Nach kurzem Kräftesammeln ging es weiter. Es dauerte, bis ich in die Nähe des großen Wasserfalls kam. Hören konnte ich ihn schon von weitem. Bei meiner zweiten Atempause entschied ich die Drohne steigen zu lassen, damit ich einen Überblick über die Umgebung bekomme. Der Wasserfall lag keine 100 Meter von mir hinter der nächsten Kurve entfernt. Der Gletscher allerdings war noch mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Kilometer entfernt und lag auch noch um einiges höher. Ich machte mir keine Hoffnung mehr, ihn zu erreichen. Allerdings wollte ich mir den Wasserfall noch einmal von Nahem ansehen. Ich quälte mich die letzten Meter hinauf.

Unmassen an Wasser stürzten den Wasserfall hinab. Eine riesige Wasserwolke umhüllte ihn. Es war praktisch unmöglich auf nahe Distanz ein Foto zu bekommen, denn die Kamera und das Objektiv waren in kürzester Zeit komplett nass. Zu diesem Zeitpunkt blickte ich das erste Mal in die Richtung zurück, aus der ich kam. Der Himmel war dunkel. Ich bemerkte durch die Anstrengung den Berg hoch zu gelangen nicht, wie schnell sich das Wetter änderte. Die Berge verschwanden wie am gestrigen Tage in der Regenwand. Ich bekam Panik. So schnell ich konnte packte ich all mein Kameraequipment zusammen, verstaute die Drohne im vorderen Korb vom Fahrrad und die dazugehörige Fernbedienung in einem der hinteren Taschen. Gott sei Dank hatte den alle Taschen Reißverschlüsse, was mir später noch sehr zu Nutze kam. Ich schwang mich aufs Fahrrad und düste den Berg hinab. Nach ein paar hundert Metern brach ich durch die Regenwand. Ich wurde nass. Richtig nass.

So langsam bekam ich auch Angst um meine Drohne und meine Kameras. Ich hielt kurz an, um einen kleinen Regenschirm aus einer Fahrradtasche zu holen und fuhr weiter. In einer Hand der Regenschirm und die andere Hand an der Bremse, damit ich nicht zu schnell werde. So ging es eine Zeit lang ganz gut… Bis ich an die Stelle mit dem unebenen Boden kam. Die ersten Bodenwellen waren kein Problem, doch nachdem ich diesen ausgewichen war steuerte ich auf eine kleine Auswölbung zu, der ich nicht rechtzeitig ausweichen konnte. Mir war schon bevor es überhaupt dazu kam bewusst, was jetzt passieren wird. Mein Fahrrad brach unter mir zusammen und ich stürzte nach rechts fallend vom Fahrrad. Die Seitentasche, in der sich die Drohnenfernbedienung befand, öffnete sich und die Fernbedienung fiel hinaus. Ich rutschte fast noch in einen Graben mit einem kleinen Bach. Ich fluchte und stand wieder auf. Mein rechtes Bein zeigte mehrere kleine Blutergüsse auf, jedoch keine offenen Wunden. Nur der rechte große Zeh war dem Anschein nach geprellt. Das war mir zu diesem Zeitpunkt allerdings egal. Ich machte mir die meisten Sorgen um mein Kameraequipment. Billig ist es nämlich auf keinen Fall. Weiter ging es mit dem Fahrrad. Den Regenschirm steckte ich nun weg. Nass war ich ja eh schon. Ich fuhr so schnell ich gefahrlos konnte den Berg weiter hinab, bis ich zur Straße kam. Von hier aus waren es nur noch vier Kilometer bis zum Campingplatz. Ich wollte nun nur noch so schnell ich konnte ins Wohnmobil, um aus den nassen Klamotten heraus zu kommen. Wenn ich allerdings einmal Pech habe, werde ich von diesem allerdings so gut es geht verfolgt und so sprang mir auf dem letzten Kilometer noch die Kette vom Fahrrad ab. Aber anzuhalten und die Kette mit Mühe wieder aufzuspannen, war mir dann zu viel Arbeit. Also rollte ich die letzten Meter bis zum Campingplatz. Beim Wohnmobil angelangt rettete ich zuerst meine Kameras und die Drohne ins Trockene, bevor ich das Fahrrad wegstellte und mich dann selbst hineinbegab. Nachdem ich mich abgetrocknet hatte überprüfte ich, ob noch alles funktionierte. Es schien soweit alles noch zu laufen. Nur mein Handy machte Probleme. Es wollte einfach nicht laden. Mit den verbliebenen 5% Akku verabschiedete ich mich bereits gedanklich vom Internet und jeglicher Kontaktmöglichkeit. Es ist schon verrückt, wie sehr man mittlerweile von diesem kleinen Gerät abhängt. Nach mehrmaligem pusten und sogar föhnen klappte es letztendlich doch.

Von diesem Abenteuer musste ich mich erst einmal erholen. Den Rest des Tages verbrachte ich erschöpft im Wohnmobil. Viel gefilmt oder fotografiert habe ich heute nicht und morgen wird es schon weitergehen mit meiner Reise.

Eines habe ich heute jedoch gelernt. Das Wetter in Norwegen kann sehr launisch sein und man sollte es niemals unterschätzen.

Kapitel XV

Pechsträhne

Ein Unglück kommt selten allein.

Meine Laune heute ist im Keller. Es gibt so Momente im Leben, an denen man glaubt, die komplette Welt hätte sich gegen einen verschwört und es soll einfach alles schieflaufen. Heute ist einer dieser Tage für mich. Und meist kommen diese Momente genau dann, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet.

Es war ein Tagesbeginn, wie jeder andere auch. Mittlerweile fange ich sogar an, diesen ruhigen Tagen skeptisch gegenüber zu stehen… Allenfalls. Es war ein ruhiger Morgen. Die Sonne schien und mein Unfall vom vorherigen Tag war schon so gut wie vergessen. Der Fuß hatte sich weitestgehend erholt und meine Klamotten waren auch wieder alle trocken. Ich genoss noch ein letztes Mal die wundervolle Landschaft von Loen und machte mich dann auf meine Reise nach Songdalsfjora. Mehr oder weniger ein Zwischenstopp auf meiner weiteren Route. Von hier aus werde ich einen kleinen Umweg nach Borgund machen, um die bekannten, alten Kirchen zu begutachten, bevor ich mich Bergen nähere.

Bevor ich mich allerdings auf die Straße machte, plante ich bei Gelegenheit noch einen kurzen Halt beim Supermarkt der Stadt ein, damit ich meine Vorräte noch einmal auffüllen konnte. Es lief alles gut, bis zu dem Zeitpunkt, als ich zurück zum Wohnmobil ging. Ich steckte den Schlüssel ins Schloss der Seitentür, drehte ihn und wollte die Tür öffnen… nichts passierte. Ich wunderte mich, ob ich nicht abgeschlossen hatte. Wo ich das doch immer tat. Ich drehte den Schlüssel wieder in die andere Richtung und… wieder nichts. Die Tür wollte sich einfach nicht öffnen. Ich probierte es noch ein paar Mal, aber es änderte nichts an der Situation. Die Tür ging einfach nicht auf. Daraufhin versuchte ich es an den vorderen Türen. Dort hätte ich es allerdings gar nicht erst versuchen müssen, denn die hatte ich noch von der letzten Nacht mit den Zusatzriegeln abgesperrt.

Ungefähr zehn Minuten schuftete ich mich jetzt schon an der Seitentür ab. Sie blieb zu. Nichts tat sich. Zu meinem Pech lag natürlich auch noch mein Smartphone mit im Auto, also sprach ich ein paar Anwohner an. Ich erklärte ihnen meine Aussichtslose Situation und fragte sie so nett ich konnte, ob ich einen Anruf tätigen dürfte. Der nette Mann gab mir sein Telefon und ich konnte meinen Vater erreichen. Wir berieten uns und kamen auf den Schluss, dass die Tür wahrscheinlich einen Wackelkontakt hätte und ich es einfach weiter versuchen sollte. Ich wollte nun auch nicht auf ewig mit dem Telefon des fremden Mannes telefonieren, also verabschiedete ich mich von meinem Vater und gab dem Mann sein Smartphone unter Dank wieder.

Nach geschätzten 20 Minuten weiterem Verzweifeln in das Wohnmobil zu gelangen fragte ich erneut, diesmal zwei junge deutsche Reisende, ob ich mir ihr Telefon ausleihen könnte. Der zweite Anruf bei meinem Vater galt eigentlich nur dem Zweck, mir eine Erlaubnis einzuholen. Eine Erlaubnis zu der dem einzig möglichen Ausweg aus dieser Situation. Ich bekam sie erteilt. Unter der Voraussetzung, dass ich die Kosten für die Reparatur übernehmen werde, war meine Endlösung das Einschlagen der Scheibe auf der Beifahrerseite. Freundlich, wie die beiden deutschen Reisenden waren, boten sie mir einen Hammer an, den sie für ihr Zelt dabeihatten. Ich zögerte jedoch, denn so eine mutwillige Zerstörung des mehr oder weniger eigenen Autos erfordert dann schon einiges an Mut. Zudem ich auch noch nie zuvor eine Autoscheibe eingeschlagen hatte. Sicherheitshalber probierte ich es noch einmal an der Seitentür, um sicherzugehen, dass sie sich wirklich nicht öffnete.

Ich atmete tief durch und schlug sanft zu. Zu sanft. Die Scheibe hatte gerade einmal einen Kratzer. Ich muss an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich mitten auf dem Parkplatz eines Supermarktes stand und diese Situation mir sichtlich peinlich war… Der nächste Schlag. Diesmal deutlich härter. Und es klappte. Die Scheibe zersplitterte in tausend Stücke. Mit einem Handschuh entfernte ich das Glas und ich erreichte endlich den Zusatzriegel der Tür. Der Eingang ins Wohnmobil war gewährt. Der Innenraum war jedoch voller Glassplitter. Den gröbsten Teil schaffte ich zu entsorgen. Die kleinen Glassplitter saugte ich bei der nächsten Tankstelle weg.

Doch was nun? Mit einer offenen Scheibe konnte ich definitiv nicht weiterfahren. Zumindest nicht den Rest meiner Reise. Mein Vater und ich suchten Autowerkstätten in einer nahegelegenen Stadt heraus, welche ich ansteuerte. Diese verwiesen mich allerdings immer weiter, weil sie mir mit meinem Problem nicht helfen konnten. Hilfe fand ich letztendlich in einem nahegelegenen Baumarkt. Einer der Verkäufer half mir mit einer festen Plastikfolie und sehr starkem Klebeband aus. Zusammen klebten wir das offene Fenster Luft- und Wasserdicht ab. Zu meiner Freude wurde mir diese notdürftige Reparatur nicht angerechnet. Er gab mir sogar noch zusätzlich Folie und Klebeband mit, für den Fall, dass es sich wieder löse. So konnte ich zumindest meine Reise fortsetzen und mein heutiges Tagesziel noch erreichen.

Nun sitze ich am See und versuche die Aufregung von heute zu vergessen. Es ist definitiv keine langweilige Reise, welche ich unternehme. Eine weniger Nervenaufreibende würde ich dem hingegen doch schon sehr vorziehen.

Kapitel XVI

Ausschweifungen

Gedanken

Mein heutiger Blog wird sich nicht hauptsächlich um meine Reise drehen, da ich mich gerade nur auf einem relativ unspektakulären Zwischenstopp nach Bergen befinde. Stattdessen wollte ich mit meinen Themen etwas abschweifen und von den Gedanken erzählen, welche mich besonders in meiner Zeit in Norwegen beschäftigt haben.

Ich denke, es ist ein guter Einstieg mit den Erwartungen, die ich vor Antritt meiner Reise hatte und der vorgefundenen Realität zu beginnen. Es ist ein Thema, welches jeden betrifft. Sei es vor einem Urlaub, vor einem neuen Lebensabschnitt oder auch nur vor dem Kauf von etwas, dass man sich schon länger wünscht. Jeder setzt bestimmte Erwartungen voran und möchte dementsprechend natürlich auch, dass diese so eintreffen. Wie sah dies nun konkret bei mir vor der Norwegen Reise aus? Ich erwartete zuallererst einmal eine wunderschöne Landschaft. Märchenhafte Fjorde, grüne Berge und absolute Stille in der Natur. Wie wahrscheinlich schon an meinen Bildern zu erkennen fand ich die Landschaft Norwegens größtenteils so vor, wie ich sie mir vorstellte. Sie ist einfach atemberaubend. Mit der Stille hingegen lag ich in meinen Erwartungen zu optimistisch. Beinahe alle Campingplätze, die ich besuchte und Orte, die ich fotografierte lagen an relativ gut befahrenen Hauptstraßen. Ich versuchte natürlich auch mehrmals mir einen Schlafplatz weit abwärts dieser Straßen zu sichern, allerdings scheiterte dies zumeist da dran, dass ich keinen Weg fand, der mich zu abgeschiedenen Orten führte. Dies führt mich auch schon zu meinem nächsten Punkt. Es mag eventuell daran liegen, dass ich zur Hochsaison losgefahren bin, aber mir fällt auf, dass es deutlich mehr Tourismus gibt, als ich gerechnet hatte. Ich berichtete schon in meinem Blog über Trollstigen darüber, dass die Straße aufgrund eines Ansturm an Autos gesperrt werden musste. Ebenso entsprach Geiranger durch den Touristenansturm keinesfalls meiner Erwartungen. Dort waren es hauptsächlich die großen Kreuzfahrtschiffe, welche mit ihren Abgasen die Luft verpesteten. Heute erlebte ich ebenfalls eine große Enttäuschung. Gestern im Blog kündigte ich an, einen Umweg zu der alten Stabskirche in Borgund vorzunehmen. Was ich dort jedoch vorfand war sehr ernüchternd. Mit Zäunen ringsherum abgesperrt, einem Eintrittsgeld von 10€ und einem großen Souvenirs-Shop daneben wurde die Kirche zu einer einzigen großen Touristenattraktion mit dem einzigen Zweck, Gewinn zu machen, abgewandelt. Meine Meinung zum Tourismus ist durchaus gespalten. Immerhin bin ich ja selbst einer. Ich verstehe, dass viele kleine Orte in Norwegen vom Tourismus leben und ohne ihn nicht so erblühen würden, wie sie es derzeit tun, aber ich muss dabei auch immer an die jeweiligen Schattenseiten denken. Müll, Lärm, Abgase. Dies sind nur einige Punkte. Besonders Letztgenannter spielt in Norwegen eine besondere Rolle. Wie ich bereits lernte, strebt Norwegen eine sehr vorbildliche Klimapolitik an, welche besonders die Förderung von Elektrofahrzeugen beinhaltet. Ohne Zweifel kann ich feststellen, dass es hier bei weitem mehr Elektroautos gibt, als ich sie in Deutschland je gesehen habe. Umso mehr erstaunt es mich dann, dass die Fjorde, Norwegens Wahrzeichen, durch ständigen Schiffsverkehr geprägt sind. Es ist ein Thema, welches schon lange in zur Diskussion steht und welches mich nun auch beschäftigt.

Norwegen ist ein wundervolles Land. Dem steht nichts gegenüber zu setzen. Ich habe mich in meinen Äußerungen auf meine persönliche Wahrnehmung beschränkt und aus mir spricht sehr wahrscheinlich die Ernüchterung aus den viel zu hoch gesetzten Erwartungen an meine Reise. Auch wenn es nun so klingt, so soll es definitiv keine abwertende Meinung sein, denn ich habe bisher so viel Wundervolles erlebt. Es ist vielmehr eine Realisierung der Tatsachen und ein Blick auf die Dinge, welche mir Sorgen bereiten. Ich werde trotz alledem noch das Beste aus meinem Ausflug zu holen zu versuchen und mit einer Bereicherung nach Hause zurückkehren.

Kapitel XVII

Bergen, oder doch nicht?

Tobi Klippe 21zu9

So langsam kann ich es nicht mehr leugnen und es ist mir sicherlich auch deutlich anzusehen. Ich habe Heimweh. Ich vermisse mein Bett, mein Sofa, die Badewanne, aber vor allem meine sozialen Kontakte. Natürlich rede ich auch hier mit Menschen, aber es ist definitiv etwas Anderes, als sich mit vertrauten Freunden zu unterhalten. Ich war noch nie für eine so lange Zeit komplett auf mich alleine gestellt. Es ist toll und aufregend, aber eben auch einsam. Von nun an sind es noch ungefähr acht bis neun Tage, bis ich wieder daheim bin. Ich kann es kaum noch erwarten.

Unfassbar träge startete ich heute in den Tag. Es war bewölkt und ich noch sichtlich müde. Es war zehn Uhr. Um sich noch einmal hinzulegen war es schon deutlich zu spät, also machte ich mich fertig und fuhr in Richtung Bergen. Die Fahrt war anstrengend, auch wenn sie nicht viel länger als die Vorherigen war. Ich durchquerte sehr viele Tunnel auf meinem Weg. Als ich Bergen erreichte war ich sichtlich überrascht, wie groß die Stadt ist. Selbst mit dem geplanten zweitägigen Aufenthalt hätte ich nicht alles sehen können. Und mit dem Gedanken da dran mit meinem Wohnmobil erneut in einer großen Stadt umherzufahren konnte ich mich auch nicht wirklich anfreunden. Es sehnte sich mir zu sehr nach Ruhe. Ich suchte mir stattdessen einen Campingplatz, etwa 20 Kilometer von der Stadt entfernt heraus. Er ist abgelegen von der Hauptstraße und die Stellplätze sind wenige und weit verteilt. Die Besitzer des Campingplatzes scheinen Privatpersonen zu sein. Ich wurde freundlich empfangen und kurz eingewiesen, wo ich alles finde. Der Platz ist an der Küste gelegen und bietet einen Ausblick auf die vielen Inseln, welche noch vor dem weiten Ozean zu finden sind.

Haus See

Hier ist es ruhig und entspannt.

Kapitel XVIII

Ein abruptes Ende

Dies wird mein letzter Blog über meine Norwegen Reise sein. Zwar ist sie noch nicht vorbei, aber ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich glaube bereits alles erzählt zu haben. Der Rest meines Trips wird sich hauptsächlich nur noch um meine Rückreise und lange Fahrten mit dem Auto drehen. Das Heimweh wird immer stärker. Ich fühle mich mittlerweile immer mehr von der Reise gestresst und suche ruhige Rückzugsorte. Dementsprechend sehe ich es als das Beste an, den Norwegen Blog hier zu beenden.

Doch wie wird es mit meinem Blog weitergehen?

Der Norwegenurlaub war nur ein erstes Kapitel meines Blogs und es werden noch weitere folgen. Sobald ich zurück in Leipzig bin, werden mich viele neue Aufgaben erwarten, von denen ich ebenfalls hier berichten werde. Diese werden zwar nicht in der Häufigkeit und Regelmäßigkeit auftreten wie meine Blogs aus Norwegen, allerdings auf die interessantesten und wichtigsten Themen abzielen. Des Weiteren werde ich versuchen auch einige aufkommende Videoprojekte in meinen Blogs zu dokumentieren. Während Instagram und YouTube als die Hauptplattformen für meine Video- und Bilduploads fungieren, wird meine Webseite und vor allem der Blog als zentraler Sammelpunkt dieser sein.

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